Steckachsen – die kleine Evolution

Steckachsen, ursprünglich vom Mountainbike kommend, setzen sich Schritt für Schritt an Renn- und Alltagsrädern durch. Ein kleiner Einblick, warum Steckachsen den Schnellspannern in manchen Belangen überlegen sind.

Locker 10 Jahre ist es jetzt her, seit die ersten Steckachsen im Mountainbike-Sport aufkamen. Von Downhillern und Freeridern ausgehend, sind sie heute auch im Breitensport Standard. Hauptursache dafür dürfte unbestritten die Verbreitung von Scheibenbremsen sein.

Steckachsen verbreiten sich immer mehr vom Mountainbike zum Rennrad

Im Gegensatz zum Schnellspanner (fünf Millimeter) sind Steckachsen erheblich dicker (zwölf bis 20 Millimeter) und verleihen so dem Sitz der Laufräder in Rahmen und Gabel viel größere Stabilität.

Zudem erhöhen sie massiv die Verwindungssteifigkeit – was vor allem bei den hohen einseitig auftretenden Kräften durch Scheibenbremsen wichtig ist.

Durch die stärkeren Achsen verbessert sich auch die Lenkpräzision, und das umso mehr, wenn man die Auflagefläche zwischen Nabe und Gabel vergrößert.

Mehr Platz in der Breite

Steckachsen werden für jede Demontage des Rads komplett entnommen, während die früher gängigen Schnellspanner im Rad verbleiben. Die Ausfallenden an Rahmen und Gabel sind darum, anders als beim Schnellspanner, nicht nach unten offen.

Die Laufräder werden eingesetzt, die Achse eingeschoben und zum Fixieren in ein Gewinde eingeschraubt, weshalb der Begriff Steckachse eigentlich verwirrend ist. Es handelt sich eher um Schraubachsen. Je nach Modell kann ein vom Schnellspanner bekannter Hebel zum Festziehen installiert sein. Zudem gibt es auch Varianten mit Bajonettverschluss, die ebenfalls per Hebel gesichert werden.

Steckachsen verbreiten sich immer mehr vom Mountainbike zum Rennrad

Steckachsen verhindern, dass Laufräder aus Versehen schräg montiert werden. Die Laufräder sind stets korrekt ausgerichtet und somit tritt ein Schleifen der Bremsen relativ selten auf.

Besondere Aufmerksamkeit benötigt die ungemeine Vielfalt an Steckachsen am Fahrrad. Während zu Zeiten des Schnellspanner fast alle Fahrräder dieselben Achsen nutzten, unterscheiden sich Steckachsen in verschiedenen Stärken, Längen und Gewinden.

Komponenten-Spezialist Sram etwa war einer der Initiatoren des sogenannten Boost-Standards. Die Einbaubreite der Naben wurde hierbei vergrößert. Die Vorderradnabe wuchs von 100 auf 110 Millimeter und die Hinterradnabe von 142 (das übliche Maß für Steckachsen) auf 148 Millimeter. Boost ermöglicht flachere Speichenwinkel. Dadurch verbessert sich die Steifigkeit der Laufräder, was besonders den größeren Laufrädern bei 27,5 und 29 Zoll entgegenkommt.

Durch die breiteren Naben haben die Rahmenhersteller mehr Platz hinter dem Tretlagerbereich. Das schafft auch Spielraum für neue Anlenkungspunkte bei Fullys und Platz für breite Reifen.

Verbreitung über das Mountainbike hinaus

Doch Steckachsen sind mittlerweile nicht mehr nur an Mountainbikes zu finden. Auch an Rennrädern, Gravel-Bikes und Cyclocrossern finden sie wachsende Verbreitung – allerdings mit kleineren Durchmessern.

Bei Rennrädern kommen eher Achsen mit zwölf Millimetern zum Einsatz, während an Mountainbikes Breiten meist von 15 Millimetern zu finden sind. Oder anders gesagt: Je härter der Geländeeinsatz, desto breiter der Achsdurchmesser.

Durch die wachsende Zahl an E‑Bikes verbreitet sich das System allerdings auch an Alltagsrädern rasant – was Auswirkungen auf den Zubehörmarkt hat.

Steckachsen verbreiten sich immer mehr vom Mountainbike zum Rennrad

Achswechsel für Anhänger

So werden die meisten Fahrradanhänger an der Hinterradachse befestigt. Bei Hinterrädern mit Steckachse hilft die mitgelieferte Kupplung nicht weiter, man muss die Achse tauschen. Dann die richtige zu finden, kann schnell herausfordernd sein, weil man auf die herstellerspezifische Gewindesteigung achten muss.

Um die vorhandene Steckachse gegen eine neue mit integrierter Kupplung austauschen zu können, muss man deren Durchmesser, Länge und Gewindesteigung kennen.

Nachteile von Steckachsen

Natürlich hat die Steckachse auch Nachteile, aber die sind eher für Gewichtsfanatiker und Rennradprofis relevant.

Die Achsen wiegen nämlich etwas mehr als die vergleichbaren Schnellspanner und der Radwechsel kann durch das Herausschrauben etwas länger dauern. Hier handelt es sich jedoch lediglich um ein paar Sekunden.

Doch auch hier arbeiten die Radhersteller an Lösungen. US-Hersteller Cannondale zum Beispiel setzt mit seinem „Speed Release“ genannten System auf einen Hybriden aus Steckachse und Schnellspanner. Ein Ausfallende ist offen, das zweite geschlossen, die Achse selbst verbleibt im Rad.

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