Wenn das Smartphone zur Schaltzentrale wird

Auch an Technik Nerds wie mir, die normalerweise von Technik und Gadgets wie Motten vom Licht angezogen werden, aber ausgerechnet beim biken, am liebsten nur mit einem starren Gang und ohne jeglichen “Schnickschnack” unterwegs sind, geht nicht vorrüber, dass Bikes immer smarter werden. Im Profisport längst angekommen, übernimmt die moderne Technik auch an immer mehr “Normalo-Bikes” die Kontrolle.

Ein Gund mehr, mal genauer hinzusehen.

Mit „AXS“ liefert der US‐fränkische Komponenten-Spezialist Sram das für viele heißeste der Bike Saison 2019. Hinter den drei Buchstaben, ausgesprochen „access“ wie englisch „Zugang“, verbergen sich ein eigens entwickeltes Funkprotokoll und eine komplett konfigurierbare Schaltzentrale.

Damit lassen sich ab sofort diverse Komponenten für Mountainbikes und Rennräder kabellos ansteuern und bedienen. Verwalten kann man das System in der AXS‐App (für Android und iOS erhältlich).

Welches Aufsehen die neue MTB‐Schaltung schon vor ihrem Launch in der Fahrradbranche erregte, zeigt die aktuelle Leserwahl von MTB-News.de, Deutschlands größtem Mountainbike-Portal. Die Funk‐Schaltung „Eagle AXS“ kam auf den zweiten Platz in der Kategorie „Innovativstes Produkt des Jahres 2018“ – obwohl es vor der Veröffentlichung am 6. Februar 2019 keine detaillierten Informationen außer ein paar erhaschten Fotos von Prototypen gab!

Der Funk ist übergesprungen

Bekannt ist das Aerial‐Protokoll aus Srams Rennradschaltung „eTap“. Es beschleunigt und präzisiert das Schalten – nun auch im Gelände. Darum bedeutet der zweite Platz einige Vorschusslorbeeren für ein System, mit dem bisher fast ausschließlich Profisportler und Entwickler Praxiserfahrungen sammeln konnten.

Für Maximilian Topp, PR‐Koordinator Mountainbike bei Sram, aber ein Zeichen, dass man die Bedürfnisse der Mountainbiker erkannt hat: „Mit AXS wollen wir das Radfahren verbessern und vereinfachen. Die Schaltung ist einfach besser, schneller, effizienter – und auf Wunsch individualisierbar.“ Der eigene Funkstandard sorgt dafür, dass die Komponenten miteinander kommunizieren und eine starke Verschlüsselung verhindert Interferenzen von anderen Systemen.

Über die App lassen sich alle unterschiedlichen AXS‐Komponenten steuern und verwalten – sie ist zum Betrieb der Teile aber nicht zwingend nötig. Die App zeigt Akku‐ bzw. Batterieladestand aller Komponenten an und ermöglicht auch individuelle Einstellung und Feinjustierung. Während der Fahrt müssen Komponenten und Smartphone aber nicht miteinander verbunden sein.

Funk am Rennrad

Alles ist denkbar

So können beispielsweise die Schaltfunktionen wie vom Fahrer gewünscht auf die Schalthebel links und rechts verteilt werden. Dafür bietet Sram mit der „Eagle AXS“ (ab 2.000 Euro) eine drahtlose Mountainbike‐Schaltung und mit der „Red eTap AXS“ (ab 2.868 Euro) das passende Rennradpendant.

Zusätzlich wird von der Sram‐Unternehmenstochter Rockshox eine funkgesteuerte Teleskop‐Sattelstütze („Reverb AXS“, 800 Euro) angeboten, deren Bedienung ebenfalls über AXS läuft – hier entfällt das umständliche Verlegen der Hydraulikleitungen im Rahmen und ein Großteil des Service.

Man braucht nicht viel Phantasie, um AXS auch in Dämpfer, Federgabel oder in Reifendruckmessern zu sehen. Alles kann mit einem Click verwaltet und gesteuert werden. Das Bike steht somit wohl vor einem Paradigmenwechsel.

Digitalisierung versalzt Dieben die Suppe

Wie weit die Digitalisierung im Fahrradmarkt angekommen ist, zeigt sich auch an anderen Produktbereichen, in denen das Smartphone die Funktion der Schaltzentrale übernimmt und das Bikerleben im Alltag und Sport ungemein erleichtert.

Die Sicherheitsexperten von Abus haben mit dem „A770 SmartX“ beispielsweise ein Schloss entwickelt, das sich bei eingeschalteter App bei Annäherung automatisch entriegelt – ohne umständliches Suchen nach einem Schlüssel. Die App zeigt aber auch den genauen Standort des Rades an. Gerade bei großen Radparkplätzen für manche sicher ein enormer Vorteil.

Falls das hochwertige Rad doch gestohlen wird, ermöglicht die App „eConnect“ von Haibike ebenfalls Live‐Ortung und -Tracking. Außerdem verfügt das System über eine Notruffunktion. Im Falle eines Sturzes wird automatisch ein SMS‐Hilferuf an definierte Notfallkontakte ausgelöst. So bietet es ein echtes Plus an Sicherheit.

Und App geht die Fahrt

Navigiert wird bereits per Google Maps, Bike Citizens oder speziellen GPS‐Geräten, die ebenfalls per App mit dem Smartphone kommunizieren und eigene Kommunikationszentralen sind.

In Kombination zum Beispiel mit der Lezyne-App ‚Ally‘ können Tourdaten unserer GPS‐Geräte völlig unkompliziert mit Freunden geteilt werden. Ebenso kann man sich auf Tour live im Internet verfolgen lassen, wenn man z. B. in fernen Ländern unterwegs ist. Hierfür lassen manche einfach beim Start eine automatische Mail mit einem Tracking‐Link an einen definierten Empfängerkreis verschicken.

Die Digitalisierung ist also auch am Bike in vollem Gange. Nicht unbedingt meins, aber sicher für den ein oder anderen …

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